Geschichte 1931 - 1940

1931

Neuwahlen bestätigen Schulleiter Gstettner in seiner Funktion als Hauptmann.
Zum Hauptmannstellvertreter wird Josef Schneider mit 15 Stimmen (21 Anwesende) gewählt.

1933

Unsere Wehr nimmt an der Motorspritzenweihe der Freiwilligen Feuerwehr Stranzendorf teil.
Der Gemeindesekretär Karl Braunstein üb ernimmt die Schreibarbeiten der Feuerwehr, jedoch ohne weitere Verpflichtungen.
Mit Einführung der autoritären Regierung durch Bundeskanzler Dollfuß sowie Gründung der Vaterländischen Front entsteht eine gespannte politische Lage, die auch bei der Feuerwehr Einfluß findet.
Die Gemeindevertretung bewilligt der Feuerwehr S 20,- Fahrgeld zur Teilnahme an der Vaterländischen Kundgebung in Groß Mugl. 

1934

Durch verschiedene Versäumnisse in der Rechnungslegung sowie Unregelmäßigkeiten in der Geldgebahrung kommt es zwischen Hauptmann und Stellvertreter zu Differenzen, die mit dem Rücktritt des Hauptmannstellvertreters Schneider ein Ende finden. Obwohl der versammelte Ausschuß die Herren auffordert, das Kommando getreu dem Wahlspruch "Einer für alle, alle für einen" weiterzuführen, bleibt Stellvertreter Schneider bei seinem Entschluß.
Bei der anschließenden Wahl wird Georg Andre neuer Hauptmannstellvertreter.
Am 13.September teilt Hauptmann Gstettner mit, daß er infolge einer beruflichen Versetzung nach Margarethen am Moos seine Hauptmannstelle zurücklegt. Als Nachfolger stehen Josef Schneider und Karl Braunstein zur Wahl. Herr Braunstein lehnt aus Zeitmangel und Arbeitsüberhäufung ab.
So wird im zweiten Wahlgang Josef Schneider zum Hauptmann gewählt.
Der Feuerwehrausschuß beschließt, dem Gemeindediener Josef Gratz für das Einsagen zu Übungen und Versammlungen als Remuneration jährlich S 5,- zu bezahlen. Weiters wird der Beitrag für unterstützende Mitglieder auf S 2,- jährlich festgelegt.
Der erwähnte Beschluß im Jahre 1929 über den Ankauf einer Florianifahne findet in diesem Jahr seine Gültigkeit. Die Freiwillige Feuerwehr, der Gemeinderat und der Ortsschulrat nehmen gemeinsam an der Weihe der Floriani- und Schulfahne teil.
In der Gemeinde zieht Anton Koller als neuer Bürgermeister ein.
Die Ermordung von Bundeskanzler Dollfuß sowie der Versuch der Nationalsozialisten, die Macht im Staat zu ergreifen verschärfen zunehmend die politische Lage in unserm Land. 

1935

Die Hebung des Zeughauses um ca. 1 Meter üüber das bestehende Niveau wird beschlossen.
Die Dekorierung der verdienten Feuerwehrmänner wird für Floriani festgesetzt.
Ein Feuerwehrball und ein Weinlesefest sind wieder eine finanzielle Unterstützung zum Ankauf diverser Ausrüstungsgegenstände.
Johann Habacht besucht als erster unserer Wehr einen 8-stündigigen Chargenkurs in der Feuerwehrschule Wiener Neustadt.
Diese Schule wurde vom Ausschuß des Landesverbandes im August 1932 beantragt. Endgültig beschlossen wurde die Gründung am 10.November 1932. Am 12. März 1933 findet die feierliche Eröffnung statt. Zum Schulleiter wird Erich Lauberer bestellt. 

1936

Die vom Landesverband 1935 eingeführten Distinktionen (Grad Abzeichen) sowie die neue Chargenordnung wird auch bei unserer Wehr wirksam.
Mit den Ortsmusikern wird eine Vereinbarung bezüglich einer Feuerwehr-Ortskapelle auf die Dauer von 5 Jahren abgeschlossen. 

1937

Bei den Neuwahlen, die anläßlich der Hauptversammlung am 14.Jänner durchgeführt werden, wird Hauptmann Schneider in seinem Amt bestätigt. Aus 3 Stichwahlen geht Franz Gratz als neuer Hauptmannstellvertreter hervor. Schriftführer Karl Braunstein und Kassier Josef Haschka werden per Akklamation in ihren Funktionen bestätigt.
Nach einem schweren Unwetter Ende Juli muß unsere Wehr viele Einsatzstunden für Keller-Auspumpen und Aufräumungsarbeiten aufbringen. 

1938

Anläßlich der Jahreshauptversammlung dankt Bürgermeister Koller für die stramme Dienstleistung, die die Feuerwehr immer wieder vollbringt. Dem Zug der Zeit folgend ordnet er eine Neuwahl für die ersten Chargendienstgrade (Hauptmann und Stellvertreter) an.
Josef Schneider und Franz Gratz werden weiterhin mit der Führung der Wehr betraut.
Eine Schlauchhaspel auf Rädern, die heute noch vorhanden ist, wird angeschafft.
Durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten und dem Einmarsch der deutschen Truppen am 11. März wurde die ganze Welt in Aufruhr gebracht - auch in unserer kleinen Feuerwehr sollte sich einiges ändern.
Einführung der Deutschen Mark am 17. März (1S 50gr = 1 Mark). Am 10.April bestätigt und "legalisierte" eine Volksabstimmung das Geschehene: 99 Prozent der Österreicher stimmten für einen Anschluß an Deutschland.
Diese Ereignisse gingen auch an unserer Wehr nicht spurlos vorüber. Musik und Zeche beim Fackelzug anläßlich der Abstimmung finden wir unter den Ausgaben im Kassabuch eingetragen.
Der Österreichische Feuerwehrverband wird am 3.Juli in Salzburg aufgelöst und der Ordnungspolizei unterstellt. Die Freiwilligen Feuerwehren werden Einrichtungen der Gemeinden. Durch die Einführung des Führerprinzips (Absage an das Vereinsprinzip mit der freien Wahl der Feuerwehrfunktionäre durch die Mannschaft) kommt es auch in unserer Wehr zu Veränderungen.
Das deutsche "Gesetz über das Feuerlöschwesen" vom 23.November soll auch die Feuerwehren wieder straff organisieren. 

1939

Nicht mehr der Hauptmann, sondern der Wehrführer begrüßt die Kameraden am 6.Jänner zum Wehr-Appell.
Er berichtet über alle Vorkommnisse seit der letzten Jahreshauptversammlung. Weiters macht er auf den Tag der deutschen Polizei am 29.Jänner aufmerksam und fordert alle Kameraden auf, sich tatkräftigst für das W.H.W (Winterhilfswerk) des Führers einzusetzen.
Die letzte aufgezeichnete Versammlung (Wehr-Appell) vor dem 2.Weltkrieg findet am 25.Mai statt. Auf der Tagesordnung steht:


1. Bericht des Wehrführers
2. Kassabericht
3. Allfälliges

Anwesend:
Bürgermeister Anton Koller
NSDAP-Ortsgruppenleiter Josef Steinböck
23 Feuerwehrkameraden

Der Wehrführer erstattet einen ausführlichen Rechenschaftsbericht über alle Vorkommnisse sowie über getroffene Maßnahmen und Anordnungen. Der Kassabericht wird verlesen, die Kassa überprüft und anschließend wird festgestellt, daß die Kassa einwandfrei geführt wurde. Der Wehrführer teilt mit, daß er seine Führerstelle zurücklegt, da er als Beauftragter der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) derart beansprucht ist und seine Agenden als Wehrführer nicht pflichtgemäß erfüllen kann.
Ebenso legt Stellvertreter Franz Gratz sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zurück.
Über Vorschlag der Feuerpolizeikameraden beauftragt der Bürgermeister mit Zustimmung des NSDAP-Ortsgruppenleiters den Absolventen der Feuerwehrschule Wiener Neustadt Johann Habacht, die Feuerwehr zu führen.
Zum Wehrführerstellvertreter wird Franz Gansberger von der Gemeindeführung bestimmt.
Der neu beauftragte Wehrführer dankt für das ihm und seinem Stellvertreter entgegengebrachte Vertrauen und teilt mit, daß beim nächsten Appell die Neueinteilung und Neuordnung der Wehr bekanntgegeben wird.
Mit einem "Sieg Heil" Gruß an den Führer endet der Wehr-Appell.

Eine weitere Maßnahme ist die Auflösung der Feuerwehren.
Gemäß § 16 aus dem RGBl werden die Feuerwehren als Verein mit Wirksamkeit vom 28.November aufgelöst.
Mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen am 1.September beginnt der 2.Weltkrieg. Ein Inferno, das die ganze Welt erschüttert bricht mit diesem Einmarsch los.

1940

Die Gemeinde übernimmt am 3.Februar 136 Reichsmark Bargeld sowie das Sparbuch mit Einlagen von 43 RM. Weiters wird auch das Protokollbuch und das Kassabuch beim Gemeindeamt verwahrt.
21 Männer sind im Mai bei der Feuerpolizei geführt. Blaue Uniformen der deutschen Feuerpolizei werden eingeführt. Alte braune Uniformen dürfen jedoch versehen mit neuen deutschen Gradabzeichen ausgetragen werden.
Die Feuerwehr muß die Aufgaben der Luftschutzpolizei übernehmen. Da die Feuerwehren kriegswichtige Werte schützen, muß die Schlagkraft erhalten bleiben. Es werden daher immer wieder Feuerpolizeiübungen und Schulungen durchgeführt. Zu Kriegsbeginn werden daher manche Wehrführer und auch Maschinisten "UK" (Unabkömmlich) gestellt. Im Laufe des Krieges werden jedoch immer mehr Feuerwehrmänner zur Deutschen Wehrmacht eingezogen.
Es werden über die Notdienstverordnung ältere Männer, und wenn notwendig, auch Frauen zum Feuerpolizeidienst verpflichtet.